Eine klassische Ersatzshow: Beide Bands hatte ich in den letzten Tagen aus diversen Gründen verpasst, und beim eher beiläufigen Surfen entdeckte ich dann das in Tilburg zusätzlich zu den Dead Brothers C.W. Stoneking ins Programm genommen wurde. Beide Bands bisher nie gehört aber wärmstens von einem Freund empfohlen. Also nahm ich den etwas längeren Weg in Kauf und fuhr nach Tilburg.
Den Anfang machte C.W. Stoneking mit seiner Band. Er spielt einen hinreißend altertümlichen Blues, stilecht auf einer Resonatorgitarre aus Blech oder einem Banjo (er stellt seine Instrumente auf seiner Website vor). Seine Band (das Primitive Horn Orchstra) begleitet ihn dabei hauptsächlich auf Blasinstrumenten (Trompete, Posaune, Tuba), teilweise wird eine Bassgitarre eingesetzt und dazu kommt noch ein Schlagzeug. Swingt wie Teufel und macht Spaß. Und live klingt es auch noch gut – auf Platte bemüht sich C.W. auch tontechnisch um antiken Klang (was absolut passt und nicht negativ gemeint ist). Einziges Manko des Auftritts war, dass dies offiziell die Vorgruppe war und nach einer guten halben Stunde der nicht sehr dezente Hinweis kam: noch ein Stück, dann Schluss. C.W. werde ich mir garantiert noch mal alleine anschauen und dann auch ausführlicher berichten.
Nach kurzer Pause dann die kammermusikalische Interpretation des Blues: Die Dead Brothers mit Kontrabass, Cello, Geige, Harmonium und im Zentrum Sänger Alain Croubalian mit elektrischer Gitarre (eine Hopf Saturn 65, klassische deutsche Gitarrenbaukunst) oder Banjo. Zu Anfang marschierten sie von hinten durchs Publikum und spielten den “Death Blues”, der damit das Thema vorgab. Der Abend wurde als musikalische Schiffsreise gestaltet, der schließlich im Hafen des Todes endet. Eine absolut faszinierende Reise mit wunderbarer und mitreißender Musik. Eigentlich kann man kein Stück hervorheben, etwas besonderes waren aber das in schwyzerdütsch gesungene “Langenthal” und eine umwerfende Auswahl an Covers. Zunächst der Gothic-Klassiker “Bela Lugosi’s Dead” (im Original von Bauhaus), der natürlich genau zum Thema passte und schließlich als letzter Song der Gegenentwurf zum düsteren Thema: “Teenage Kicks” von den Undertones. Beide Stücke gehören seit 30 Jahren zu meinem Kanon und werden immer wieder gerne gehört, Volltreffer!
Zur Zugabe kamen die Musiker wieder von der Bühne und stellten sich ins Publikum. Es gab noch eine mitreißende akustische Version von “Ramblin’ Man” und zum Schluss ein Gospelsong, der schließlich mit der Erstürmung der Bar endete. Dieser Teil hatte die Intimität eines Hauskonzerts, ich stand mitten im Geschehen und konnte z.B ein Geigensolo aus einem Meter Entfernung hören.
Insgesamt leider recht kurz (ca. eine Stunde), aber es gibt locker die volle Punktzahl. Sie spielten wohl die komplette neue CD (die ich glücklicherweise erst nachher kaufte, die Cover sind auch drauf, so war die Überrschung gesichert) und zusätzlich die Zugaben im Publikum
Zitat des Abends: “You think life sucks? Try death, it kills you!”
