Deutsche Musik im Fünferpack für kleines Geld – die Entscheidung nach Köln zu fahren fiel leicht.
Roland Meyer de Voltaire machte den Auftakt, den habe ich dann wegen vorsichtiger Spätanreise verpasst. Da ich auch noch keinen Ton von ihm bzw. seiner Band Voltaire gehört habe, kann ich nicht beurteilen, ob ich da etwas verpasst habe.
Als zweiter auf der Auftrittsliste stand Philipp Süß mit Band unter dem Namen Philipp Süß oder so. Wieder ein neuer Name für mich, der Auftritt überzeugte aber durchaus. Im wesentlichen bot er klassischen Liedermacher-Stoff, Texte und Vortrag erinnerten mich sehr an klassische Vertreter dieser Zunft. Die Begleitung (Cahon und Fagott) setzte sehr schöne Akzente, besonders das Blasinstrument fiel dabei positiv auf. Die junge Dame spielte schöne Soli und diente nebenbei als Ersatz für den Bass.
Zur Halbzeit ein halbstündiger Set der Oliver Minck Erfahrung. Wie schon im Blue Shell schöne Musik mit tollen Texten, die (auch nach Selbsteinschätzung) manchmal das Depressometer durchbrennen lassen. Wieder war “Frustrierter Typ” der Höhepunkt des Set, ich bin gespannt ob Thees Uhlmann auch in der endgültigen Version auf der neuen CD erwähnt werden wird.
Danach dann die Überraschung des Abends. Völlig unvorbereitet traf mich der Auftritt von Halbwolf und ich musste erstmal staunend verarbeiten was da geboten wurde. Die Band besteht aus 5 Leuten: Schlagzeug, Bass, Gitarre, Keyboards, Gesang. Damit wird ein Heidenlärm irgendwo zwischen Punk, Metal und Progrock veranstaltet. Der Gitarrist haut Riffs und Soli aus der Prog- und Metalecke raus, Bass und Schlagzeug liefern die stoische Grundlage, ein Umhängekeybord(!) – hab ich zum letzten Mal in den 80ern bei Nena gesehen, ist sowas überhaupt noch erlaubt? – und dazu der Gute-Laune-Bär-Sänger, der seine Texte in Punkmanier raushaut und nach den Stücken mit einem lausbübischen Grinsen im Gesicht auf der Bühne steht als ob er fragen wollte “Na, haben wir das nicht fein gemacht?”. Toller Auftritt, an diesem Abend völlig aus dem Rahmen fallend und unbedingt die weitere Beobachtung wert.
Zum Schluss dann der – zumindestens nach Dramaturgie geplante – Höhepunkt des Abends: Gisbert zu Knyphausen. Mit voller Band auftretend hatte der Auftritt einen nicht erwarteten Druck, erst in der Mitte wurden ein paar Stücke solo dargeboten und damit meine unterschwellige Erwartungshaltung etwas mehr bedient. Er spielte ein volles 90-Minuten-Set, das allerdings wegen der vorgerückten Stunde irgendwie nicht mehr meine ungeteilte Aufmerksamkeit fand. Insgesamt durchaus gut, den würde ich gerne nochmal im kleineren Rahmen sehen.
