Po’Girl gehören auch zu den momentan modernen “Wir spielen jede Menge Instrumente und tauschen sie auch fleißig auf der Bühne untereinander aus” – Bands. Das hört sich jetzt negativ an, ist aber eigentlich ein sehr positiver Aspekt – es gibt viel Abwechslung und ein größeres Spektrum an Klangfarben, die Gefahr der Langeweile (durch ständig gleiche Klangfarben) wird deutlich gemindert.
Aber bei den positiven Vertretern dieses “Genres” ist das eher zweitrangig, sie bestechen vor allem durch ihre Musik. Und dazu würde ich nach diesem Konzert auch Po’Girl zählen. Auf der einen Seite sind sie in der Roots/Country-Ecke verwurzelt, auf der anderen Seite kommt ein guter Schuss Soul und Gospel dazu. Diese Pole manifestieren sich in den beiden Sängerinnen: Allison Russell steht für die Soulseite, sie dominiert etwas; Awna Teixeira vertritt die Countryseite.
Ihren zahlreichen Instrumenten haben sie Namen gegeben, vielleicht um den Überblick zu behalten. Gitarre, Banjo und Dobro sind meistens dabei; das Fundament bilden Bass (elektrisch und als Besenstielbass – tolles Solo auf diesem Teil) und Schlagzeug (seeehr ruhig), dazu kommen noch Klarinette, Akkordeon (als ältestes Bandmitglied vorgestellt), Glockenspiel und Piano.
Zu den musikalischen Qualitäten kommen noch gute Songs und damit ist ein tolles und mitreißendes Konzert natürlich einfach abzuliefern. In den Niederlanden sind sie anscheinend auch schon relativ bekannt, das Meneer Frits war gut gefüllt.
Foto: Marcel Houweling
Bei dieser Tournee war als Gast noch JT Nero anwesend. Der spielte allerdings nicht konventionell als Vorgruppe sondern war als Gast in den Auftritt integriert, er sang einige seiner Stücke und steuerte teilweise Harmoniegesang und Gitarre bei. Po’Girl ist mit seiner Gruppe JT And The Clouds wohl befreundet, sie spielen gegenseitig als Gäste auf ihren Alben. So hat man diese Gelegenheit wohl als günstige Möglichkeit genutzt, das neue Album zu bewerben. Seinen Beitrag würde ich eher als “ok” einstufen, nicht schlecht aber auch nichts Besonderes.

