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21.8.2009 und 22.8.2009 – Boot Boo Hook Festival, Faust, Hannover

9. Januar 2010

Ein Festival hatte ich zuletzt irgendwann in den 80ern besucht. Zu Studentenzeiten gehörten jährliche Besuche bei Pinkpop oder später Rock Werchter zu meinem Konzertprogramm (bzw. waren das Konzertprogramm), aber irgendwann wurden die Dinger immer größer und monströser und ich habe die Lust dran verloren. Die heutigen Großereignisse wie Rock am Ring oder Hurricane würde ich mir auf jeden Fall nicht mehr antun. Durch einen glücklichen Umstand kam ich jedoch zu einer Freikarte für das Boot Boo Hook, das Lineup sah eigentlich recht gut aus (für den Freund der Tapete-gefärbten deutschen Musik) und als sich dann auch noch J. in Hannover als Toco-Fan outete und mir eine Übernachtungsmöglichkeit anbot, war der Besuch ausgemachte Sache.

Die Anreise am Freitag gestaltete sich erwartungsgemäß zäh. Trotzdem war ich pünktlich in Hannover, wo erstmal in aller Ruhe gegessen wurde. Schließlich hatten wir vorher einen Plan gemacht und wollten erst um 18:30 Uhr auf dem Gelände sein, erster geplanter Auftritt 18:45 Uhr. Dieser gute Plan geriet dann stark ins Wanken – zuerst bekam das geliehene Rad bei der Anfahrt einen Platten und dann mussten wir uns noch ein Armband umschlingen lassen. Dies erledigten gut ausgebildete Mitarbeiter in kaum weniger als 90 Sekunden pro Besucher und wir stellten uns außerdem gezielt an der Schlange an, wo ein besonders gut geschulter Mensch werkelte. Als wir dann endlich auf dem Gelände waren bekamen wir sofort den nächsten Dämpfer. Knut und die herbe Frau spielten im Faust und das war knallvoll. Wir mussten uns anstellen und neue Besucher wurden nur eingelassen, wenn andere den Saal verließen. In Summe führte das dazu, dass wir noch ziemlich genau 2 1/2 Stücke vom Auftritt mitbekamen, die ich jetzt nicht werten möchte. Außerdem bekamen wir heraus, warum die Leute den Saal verließen: offensichtlich war es nicht die Musik sondern die Hitze und der mangelnde Sauerstoff, der die Leute wieder nach draußen drängen ließ.

Der Anfang war also durchwachsen, der nächste Auftritt auf der Hauptbühne draußen auf der Wiese erwies sich dann aber auch nicht als Stimmungsaufheller. Die alten Helden aus den 80ern, die Fehlfarben gaben einen ihrer seltenen Auftritte. Und auf diesen hätte man problemlos verzichten können. Der Funke sprang überhaupt nicht über, die Musik war in den 80ern kleben geblieben und vermittelte den unangenehmen Eindruck auf einem Schützenfest dem Auftritt einer ehemaligen Hittruppe im Gnadenbrotmodus zu lauschen. Einzig die Zugabe “Paul ist tot” konnte mich ansatzweise versöhnen, insgesamt aber muss ich den Auftritt in die Kategorie “Kannste vergessen” einordnen.

Dann folgte der Höhepunkt für J., für mich wieder mehr oder weniger ein “kaltes Konzert” (obwohl ich sogar eine CD von denen habe): Tocotronic. Sie spielten laut Aussage meines anwesenden Experten ein “risikoloses Festival-Set”, gefiel mir ganz gut. Die Menge um mich herum war deutlich mehr begeistert als ich und anscheinend ausgesprochen textfest, jedes Lied wurde begeistert mitgesungen. Dazu eine erdige Rockmusik mit viel Gitarrenlärm, der dann gegen 23:00 Uhr ein Ende fand – die armen Anwohner, das Festivalgelände liegt mitten in der Stadt.

Zum Tagesabschluss ging es dann noch mal ins Faust, klappte diesmal ganz gut. Hier stand noch ein Highlight für mich auf dem Programm: Kolkhorst. Der leitete vom Soundcheck mit einem vollen Brett sofort in den Auftritt über – 10 Minuten früher anfangen und dann gnadenlos eine halbe Stunde überziehen, so macht man aus einem knappen Zeitfenster einen nahezu normalen Auftritt. Er brachte den Laden dann nochmal so richtig zum Kochen, schön einmal ein elektrisches Kolkhorstkonzert in einer vollen Bude mit ordentlichem Publikum zu erleben. Da steigt der Spaßfaktor doch gewaltig.

Den wirklichen Tagesabschluss bildete dann ein nächtlicher Spaziergang durch Hannover, wegen dem Platten (s.o.).

Der zweite Tag ist schnell erzählt. Vom Programm war er nicht so attraktiv wie der erste Tag, einzig Montag stach etwas heraus – die sollten allerdings auch schon sehr früh spielen. Irgendwie habe ich J. dann doch zum frühen Erscheinen überredet, pünktlich zum Set waren wir da. Und was die da nachmittags um 4 vor vielleicht 200 “Frühaufstehern” ablieferten war aller Ehren wert. Sie taten einfach unbeirrt so, als wären sie der Headliner und spielten entsprechend festivaltauglich mit Publikumsanimation und allem drum und dran, Respekt! Auch sie schafften es ihr Zeitfenster mit Frühstart und leichtem Überziehen etwas auszudehnen (ca. 45 statt 30 Minuten), das war aber immer noch viel zu wenig. Diese Band gehört in den Abend und hat mehr Zuschauer verdient.

Danach war eigentlich schon die Luft raus. Mehr oder weniger interesselos lauschten wir jeweils ein oder zwei Songs von Dirk Darmstaedter, Fotos und Tele, dann beschloss ich nach Hause zu fahren.

Fazit: schöner Freitag, schlapper Samstag – durchwachsen.

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